Gestörtes Stadtbild durch Lichtemission

Die zunehmende Lichtverschmutzung in den Großstädten ist ein Problem, das sich schwer zu ignorieren lässt. Die Verunreinigung von natürlichem Licht durch künstliche Lichtquellen wie Laternen, LEDs und Werbetafeln nimmt deutschlandweit jährlich zu. Auch Berlin gilt als „Stadt, die niemals schläft“ und wird 24 h am Tag und in der Nacht durch unterschiedliche Lichtpunkte beleuchtet.  Besonders auffällige Lichtquellen dabei waren die Reklameanzeigen der ehemaligen O2 World.

Als O2 noch Namensgeber der Halle am Ostbahnhof war, gab es zunehmend Anwohnerbeschwerden über die starke Lichtemission der Reklameleuchttafeln. Die gigantischen Werbetafeln der O2 World strahlten soweit, dass sich die angrenzenden Wohnhäuser durch die flimmernde Werbung direkt vor ihrem Fenster massiv gestört sahen, wie Herr Münnich, der Leiter des Umwelt- und Naturschutzamtes für Friedrichshain-Kreuzberg, bei einem persönlichen Gespräch berichtete . Auf Basis der gesetzlicher Grundlage  §22 des Bundesimissionsschutzgesetzes gab es verbindliche Regeln zwischen Amt und Betreiber. Der Paragraph stellt eine Lichtleitlinie dar, nach deren Werten man sich richtet.

    § 22: Pflichten der Betreiber nicht genehmigungsbedürftiger Anlagen

(1) Nicht genehmigungsbedürftige Anlagen sind so zu errichten und zu betreiben, dass

1. schädliche Umwelteinwirkungen verhindert werden, die nach dem Stand der Technik vermeidbar sind,
2. nach dem Stand der Technik unvermeidbare schädliche Umwelteinwirkungen auf ein Mindestmaß beschränkt werden und
3. die beim Betrieb der Anlagen entstehenden Abfälle ordnungsgemäß beseitigt werden können.

Die Bundesregierung wird ermächtigt, nach Anhörung der beteiligten Kreise (§ 51) durch Rechtsverordnung mit Zustimmung des Bundesrates auf Grund der Art oder Menge aller oder einzelner anfallender Abfälle die Anlagen zu bestimmen, für die die Anforderungen des § 5 Abs. 1 Nr. 3 entsprechend gelten. Für Anlagen, die nicht gewerblichen Zwecken dienen und nicht im Rahmen wirtschaftlicher Unternehmungen Verwendung finden, gilt die Verpflichtung des Satzes 1 nur, soweit sie auf die Verhinderung oder Beschränkung von schädlichen Umwelteinwirkungen durch Luftverunreinigungen, Geräusche oder von Funkanlagen ausgehende nichtionisierende Strahlen gerichtet ist.

(1a) Geräuscheinwirkungen, die von Kindertageseinrichtungen, Kinderspielplätzen und ähnlichen Einrichtungen wie beispielsweise Ballspielplätzen durch Kinder hervorgerufen werden, sind im Regelfall keine schädliche Umwelteinwirkung. Bei der Beurteilung der Geräuscheinwirkungen dürfen Immissionsgrenz- und -richtwerte nicht herangezogen werden.

(2) Weitergehende öffentlich-rechtliche Vorschriften bleiben unberührt.


Messungen ergaben, dass die Belästigungsanschuldigung gerechtfertigt war und die Lichtimmissionswerte deutlich die der für gewerbliche Anlagen festgelegten Werte überschritten. In daraus resultierender Konsequenz musste der Hallenbetreiber „Anschutz Entertainment Group“ das Licht der Reklameleuchttafeln dämmen. Nach Kooperation mit dem Umweltamt wurden bestehende Regeln umformiert, da lichtmäßig eine neue Situation entstand, die neuer Regelung bedarf. Nach der Namesänderung aus 2015 zur Mercedes-Benz Arena  muss das Umweltamt nun prüfen, ob sich durch die Umformierung die Werte geändert haben und sich mögliche neue Beschwerden begründen. Jedoch hatte der ehemalige Bezirksbürgermeister von Friedrichshain-Kreuzberg Franz Schulz verlauten lassen, dass seit der Reduzierung der Lichtemission keine Anwohnerbeschwerden mehr eingetroffen sind.